Medizin - Website und Blog von Dr. med. Alois Giger, Bischofszell

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Medizin

MEDIZIN

23.10.21

Alle paar Wochen wird ein neuer Covid-Impfstoff in die Schlacht gegen das Virus geworfen. Alle paar Wochen wird ein neues Medikament angepriesen, welches das gemeine Virus ausbremsen soll. Und kurze Zeit später ereilen uns Meldungen des Inhaltes, dass die neue Impfung nicht besser und die Wirksubstanz von bescheidenem Wert sei. Ein Auf-und-Ab, das sich weiter dahinziehen wird. Für 99% der Epidemiologen und Virologen steht schon länger glasklar fest, dass wir das Virus - wenn überhaupt - nur mit der Impfung in den Griff bekommen. Die regelmässigen Demos gegen die Covidmassnahmen zeigen klar auf, wie viele Bewohnerinnen und Bewohner dieses einst heilen Landes mehr über den Erreger wissen, als alle Wissenschafter dieser Welt zusammen. Schön, wenn man sich zu diesen Intelligenzkanonen und Besserwissern zählen darf.

26. September 2021

Ein neuer Covid-Impfstoff hat das Licht der Welt erblickt. Dies dürfte vor allem jenen kritischen Menschen helfen, welche vor der genetischen Variante Angst haben. Der neue Wirkstoff geht einen anderen Weg: vereinfacht ausgedrückt, täuschen abgeschwächte Viren dem Köper vor, Covid-Viren seien eingedrungen, was die Immunabwehr dazu verleitet, aktiv zu werden, um dann den echten Eindringlig erfolgreich zu bekämpfen. Diese Vektor-Variante - so der Fachausdruck - ist von anderen erfolgreichen Impfungen her bekannt. Es bleibt abzuwarten, ob mit dieser neuen Option die Impfrate nochmals einen Schub erhält. Nicht zu vergessen, dass die Ansprechrate deutlich tiefer ist als bei den bisher bekannten Varianten.

Todesfälle trotz Impfung sind natürlich ein gefundenes Fressen für die Impfgegner. Dabei wird leider oft vergessen, dass es bei jeder Impfung Versager, sogenannte non-responder, gibt. Ich selber bin ein lebendes Beispiel dafür: ich habe so cirka 10 Impfungen gegen Hepatitis B gebraucht, um eine Immunabwehr aufzubauen. Für einen Arzt ist diese Impfung von grosser Bedeutung, kann es doch - selten - vorkommen, dass man sich durch kontaminiertes Material infiziert. Während meiner Tätigkeit am Spital in Frauenfeld hatte ich miterlebt, wie eine junge Krankenschwester schwer an einer B-Hepatitis erkrankte. Ein Hepatitis-Patient hatte sie angesteckt....

Noch eine Randbemerkung zu den "Todesfällen" trotz oder wegen der Covid-Impfung: es wird immer nur ein Teil der Wahrheit preisgegeben. Wichtig wäre zu wissen, ob der Patient oder die Patientin schon vor der Impfung schwer krank waren und sie gar nicht wegen der Impfung gestorben sind. Zudem möchte man wissen, wie gross der Abstand zwischen der Impfung und dem Ableben war. Es gäbe noch weitere Fragen, auf die ich hier nicht eingehe.






8.8.21

mRNA heisst das Zauberwort, welches im Gefolge der Covid-Pandemie immer wieder erwähnt wird. Ich beschränke mich darauf, die Übersetzung anzuführen:
"messenger ribonucleic acid" - (Boten Ribonucleinsäure). Wie, wo und wann dieses genetisch hergestellteProdukt wirkt, können Sie im Internet nachlesen. Werden Sie aber um Himmelswillen nicht depressiv, wenn Sie die hochkomplexen Prozesse nicht verstehen. Ich tue es auch nicht ganz. Dafür haben wir die Spezialisten. Im Gegensatz zur Behauptung vieler Impfgegner und Verschwörungstheoretiker steht die Tatsache, dass der Impfstoff keinen Gates-Mikrochip enthält, der unsere Gene verändert..... Wer so etwas Dummes und Unmögliches behauptet, darf mit Fug und Recht nicht ernst genommen werden. Es genügt doch, wenn sich diese Exoten selber ernst nehmen und alle "fake-news" (=falsche, verlogene Informationen aus dem Internet) für bare Münze halten. Wie dumm muss man denn sein, um solchen Quatsch zu glauben?

Falls Sie sich noch nicht geimpft haben, bitte ich Sie höflich, die Impfung nachzuholen. Warum? Nach heutigem (Un-) Wissens-Stand ist die Impfung die einzige Massnahme, mit welcher dem Virus - hoffentlich - beizukommen ist. Gewiss sind die Nebenwirkungen in wenigen Fällen nicht ganz harmlos. Vielleicht gibt es weltweit gar den einen oder anderen Todesfall. Im Vergleich zu den unzähligen Toten, welche eine schwere SARS- Infektion produziert, ist dies nicht mehr als ein Klacks. Als vor bald 100 Jahren die Pockenimpfung eingeführt wurde, gab es mit Sicherheit auch ein paar Tote. Die Erkrankung selber hat aber 100 Tausende dahingerafft. Seit etwa 40 Jahren sind die Pockenviren nicht mehr aktiv. Warum? Dank der Impfung. Ähnliches könnte von anderen Viruserkrankungen berichtet werden. Masernfälle zum Beispiel mit schweren, fast immer tödlichen Hirnhautentzündungen sind praktisch verschwunden. Ich habe solche tragischen Todesfälle vor allem bei Kleinkindern bei meinem Praktikum an einen Missionsspital in Zimbabwe - damals Rhodesien - gesehen und erlebt. Warum sind so schwere Fälle kaum noch bekannt? Der Impfung sei Dank.

Einige Fakten zur Impfung:

- der Schutz vor dem Covid-19 beziffert sich für die Impfung auf 80 bis 90%;
- wie lange der Impfschutz anhält, weiss man noch nicht. Eventuell ist sogar eine 3. Impfung innerhalb eines Jahres zu empfehlen, je nach Produkt;
- Geimpfte können Ungeimpfte anstecken; in solchen Fällen verläuft die Krankheit aber harmlos oder gar ohne Symptome; Vorkommen rar;
- auch ein Geimpfter kann wieder angesteckt werden; in diesen seltenen Fällen sind die Symptome zu vernachlässigen;
- dass es weltweit vermutlich den einen oder anderen tödlichen Zwischenfall durch die Impfung gibt, kann nicht widerlegt werden;
- je nach Hersteller sind Wirkung und Nebenwirkung unterschiedlich. So weiss man von den chinesischen Impfstoffen "Sinomed" und "Sinovac", dass sie weniger gut und   weniger lang wirken als die bei uns bekannten Impfungen aus den USA und Europa;
- Statistiken zum russischen Impfstoff "Sputnik" sind nicht zugänglich

Fazit: es gibt weltweit keine Methode, welche eine Infektion total ausschliesst. Unter allen bekannten und unbekannten Massnahmen, erweist sich die Impfung als die mit Abstand beste.

Mir ist klar, dass Impfgegner, Impfkritiker und Verschwörungstheoretiker behaupten, die aufgeführten Fakten seien gefälscht und völlig unrichtig. Was kann man dagegen tun? Gar nichts und ruhig bleiben. Was können Sie zu einem Besserwisser sagen, der behauptet, 3 und 2 seien 6. Eben - gar nichts. Vielleicht eine alte Weisheit hervorkramen: der liebe Gott hat viele Kostgänger.....

11. Juli 2021

Die Impfung ist und bleibt im Moment die einzige wirksame Massnahme, mit welcher dem bösen Virus beizukommen ist. Obwohl dies die meisten Menschen wissen, zögern allzu viele, sich impfen zu lassen. Falls es zu einer neuen Welle kommen sollte - der liebe Gott möge dies verhüten -, lässt sich wahrscheinlich noch der eine und andere bekehren. Vor allem dann, wenn zu verschiedenen Events, Veranstaltungen, Reisen und Flügen nur noch Geimpfte zugelassen werden. Schon heute gelten Restriktionen. Sobald sich die Lage wieder verschlimmern sollte, ist mit neuen Vorschriften und auch Einschränkungen zu rechnen.

Dass die verschiedenen Impfstoffe nicht alle gleich gut wirken, erstaunt wenig. Dass sich auch die Nebenwirkungen unterscheiden, verstehen alle, die dies wollen. Ob eine 3. Impfung empfohlen wird, bleibt abzuwarten. Und wie lange die Impfungen überhaupt schützen, weiss bisher noch niemand, weil Langzeiterfahrungen fehlen. Persönlich gehe ich davon aus, dass die Impffreudigkeit (?) dann zunehmen wird, wenn sich das Pandemievirus mit voller Kraft zurück meldet.

A propos Nebenwirkungen: der überwiegende Teil der Symptome ist leicht zu meistern. Die eine oder andere bedeutende Nebenwirkung darf nicht ausser Acht gelassen werden. Wer indes bedenkt, wie viele Menschenleben durch die Immunisierung gerettet werden können, verkommen die unliebsamen Reaktionen zur Nebensache. Und dass die Impfverweigerer für die anderen Menschen die grösste Gefahr bilden, sollte mitlerweile auch dem letzten Impfgegner bekannt sein - Solidarität hin oder her...

19. Juni 2021

Christian Eriksen, dänischer Nationalspieler in den Diensten von Inter Mailand, ist an der EM mitten in einem Länderspiel auf dem Rasen zusammengebrochen und hat das Bewusstsein verloren. Allerorten wurde von einem Herzstillstand geredet und geschrieben. Ich gehe davon aus, dass sich die wenigsten Zuschauer im Klaren sind, was ein "Herstillstand" in Wirklichkeit bedeutet. Obwohl mir die Fakten nicht besser bekannt sind als Ihnen, versuche ich ein wenig Licht in das dramatische Ereignis zu bringen: männiglich stellt sich vor, bei einem Herzstillstand würde das Herz tatsächlich still stehen. Es gibt sicher Fälle, in welchen ein solcher Totalstopp vorkommt. Beim dänischen Fussballspieler verbirgt sich hinter dem Begriff "Herzstillstand" indes ein sogenanntes "Kammerflimmern", was nichts anderes heisst, als dass die Tausenden von Herz-Muskelfasern nicht mehr im Takt miteinander arbeiten, vergleichbar mit einem Orchester ohne Dirigent, in welchem jeder Musiker etwas anderes spielt. Sobald die Herzmuskelfasern nicht mehr zusammenarbeiten, geht der Pumpeffekt verloren: das Blut wird vom Herzen nicht mehr in den Kreislauf gefördert. Es bleibt im Herzen liegen. Und wenn das Gehirn während 6 bis 10 Sekunden kein Blut erhält, tritt die Bewusstlosigkeit ein. Dann haben die Helfer wenige Minuten Zeit, den Kreislauf wieder in Gang zu bringen, sonst bleiben definitive Schäden in diversen Organen zurück. Ich gehe in diesem Fall tatsächlich von einem Kammerflimmern aus, welches durch Herzmassage nicht zu beheben ist. Die einzige erfolgreiche Massnahme ist die Defibrillation, durch welche die Koordination der Herzmuskelfasern in vielen Fällen wieder erreicht werden kann. Der mobile Defibrillator ist in der Lage, dem Herzen mit starken Stromimpulsen den Takt wieder vorzugeben. Bei jungen Menschen ist der Defi häufig erfolgreich; bei einem vorgeschädigten Herzen bei alten Leuten eher nicht.

Ich nehme an, dass im beschriebenen Fall ein Defi eingesetzt wurde, auch wenn dies in den Fernsehbildern meines Wissens nicht zu sehen war. Dass an einer EM an jedem Spielfeldrand ein Defibrillator deponiert sein muss, ist für mich selbstverständlich. Falls kein Defi eingesetzt wurde, hatte der Fussballer ganz grosses Glück gehabt; denn, in ganz seltenen Fällen, kehrt das Herz ohne Eingriff spontan wieder in den Normalrhythmus zurück. Und noch einmal: Herzmassage nützt in diesen Fällen gar nichts....




Die wenigen Glücklichen, die ein Kammerflimmern überleben, sind einem hohen Rezidiv-Risiko ausgesetzt; das heisst, dass das Herz eher früher als später erneut mit einem Kammerflimmern reagiert. Und wenn dies irgendwo abseits geschieht, bedeutet dies den sicheren Tod. Aus diesem Grunde wird diesen Patienten ein kleiner Defibrillator eingepflanzt, welcher dann einen Impuls, einen Schock abgibt, wenn das Zeitintervall zwischen 2 Herzschlägen ein kritisches Mass unterschreitet. Auch wenn ein solcher Stromschlag für den Träger des Defi sehr unangenehm ist: er rettet sein Leben.




Ob der dänische Internationale je wieder wettkampfmässig Fussball spielen wird, wage ich zu bezweifeln. Und Inter Mailand wird den Vertrag wohl auflösen.




Üble Nebengeschichte: die Covid-Leugner und Impfgegner nutzen die Tragik diese Geschehens zu ihren Gunsten aus: sie behaupten, Ch. Eriksen sei das Opfer von Nebenwirkungen der Covid-Impfung geworden. Als ob man dies beweisen könnte....Das Internet ist voll von solchen "fake news", von Falschmeldungen, die bei nicht wenigen Menschen auf offene Augen und Ohren stossen. Dummheit ist fast schlimmer als ein Kammerflimmern.

9. Mai 2021

Dass die Covid-Impfung für die Menschheit ein Segen ist, haben noch nicht alle begriffen. Indes: viele wollen dieses Faktum nicht zur Kenntnis nehmen; sei es aus "alternativer" Überzeugung; sei es, weil sie ober der bescheidenen Nebenwirkungen den Effekt vergessen. Sie sind die einfachen Opfer eines Verhältnis-Blödsinns.
Was haben denn bisher "alternative" oder homöopathische Massnahmen der Menschheit gebracht? Nichts, aber auch gar nichts. Dabei will ich einzelne Erfolge bei unbedeutenden und nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen nicht in Frage stellen.

Wem haben wir die pockenfreie Welt zu verdanken? Wem den grossartigen Effekt der Polioimpfung? Wer hat es geschafft, Produkte zu entwickeln, weche verhindern, dass man an einer HIV-Infektion stirbt? Den Homöopathen? Den Impfgegnern? Den Gesundbetern? Den Geistheilern? Es war immer ein Werk der Schulmedizin. An dieser Tatsache führt kein Weg vorbei. Dass die Skeptiker all diese Tatsachen bestreiten, ist das Eine. Das Andere ist, dass sie entweder uneinsichtig, stur oder viel gescheiter sind. Sachen gibt es...

12. März 2021

Noch nie in der langen Geschichte der medizinischen Forschung ist es den Wissenschaftern gelungen, in Rekordzeit einen Impfstoff gegen das Coronavirus herbei zu zaubern. Eine Glanzleistung, die wohl mehr Sinn macht als eine Roboter-Reise auf den Mars. Dauerte es bisher 8 bis 10 Jahre bis zu einem marktreifen Produkt, wurde dieses Kunststück etwa innerhalb eines einzigen Jahres geschafft. Grandios. Dass nicht alle Impfstoffe genau gleich wirksam oder mit unterschiedlichen Nebenwirkungen behaftet sind, schmälert die grossartige Leistung nicht. Beim Produkt aus der Küche von Astra-Zeneca wurden ganz offensichtlich gravierende Nachteile gefunden; ja es soll gar Todesfälle im Zusammenhang mit diesem Wirkstoff gegeben haben. So oder so: wenn man bedenkt, wie viele Menschenleben durch die Impfung gerettet werden können - es sind sicherlich viele, viele Millionen - darf man ob der extrem seltenen ernsthaften Zwischenfälle die Relationen nicht aus den Augen verlieren. Die Impfstoffe sind für die ganze Menschheit ein grosser Segen. Auch für jene, die sich nicht impfen lassen und quasi als Parasiten von den Geimpften profitieren.

Kurzer Rückblick: auch bei der Pockenimfpung - vor mehr als einem halben Jahrhundert aktuell - gab es vor allem zu Beginn der Impfkampagne den einen oder anderen Toten. Und wo stehen wir heute? Dank der Impfung gibt es weltweit keine Pocken mehr! Die grösste Erfolgsgeschichte der Medizin bisher. Kleiner Nachsatz: die Impfverweigerer und Verschwörungstheoretiker werden nun einwenden, dass Bill Gates damals noch nicht bekannt war...und somit als Urheber der Seuche nicht in Frage kam.

6. Januar 2021

Das Coronavirus hat uns nach wie vor fest im Griff und niemand weiss, wie lange uns der Bösewicht noch zusetzt. Gewiss: die Impfungen laufen langsam an; schneller als ich und andere erwartet hatten. Auch Bund und Kantone wurden durch die plötzlich schnellen Impfstofflieferungen überrascht, was einen Teil der Verzögerungen erklärt. Dennoch: bis wir aufatmen können, wird es Sommer. Wenn sich die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer den Impfungen stellt, dauert es mehrere Monate, bis alle Impfwilligen die Spritze erhalten haben. Und in 3 bis 4 Wochen treten die Erstgeimpften zur 2. Impfung an. Wenn wir von 4 bis 5 Mio Impfkandidaten ausgehen, werden wir vielleicht Ende Jahr am Ziel angekommen sein. Ob es nur ein Zwischenziel sein wird, wissen wir erst dann, wann bekannt ist, wie lange die Impfung wirkt. So oder so: aufatmen können wir noch lange, lange nicht - allen Kritiken und Kritikern zum Trotz.....

12. November 2020

Covid-19 dominiert die Fachzeitschriften: keine Nummer, in welcher nicht in mehreren Artikeln auf die Pandemie-Probelmatik eingegangen wird. Führend ist das NEJM - das New England Journal of Medicine aus den USA: im Internet kann man tagtäglich die neuesten Erkenntnisse nachlesen. Da werden verschiedene Verläufe geschildert, Komplikationen erwähnt, Statistiken über Todesfälle preisgegeben und Daten über diverse Medikamente veröffentlicht. Leider wurde bisher kein Medikament, keine Arznei gefunden, welche das Virus entscheidend bremsen kann. Bescheidene Teilergebnisse sind das Grösste, was man bisher gefunden hat. Die Forschung tappt auf der Suche nach dem einen Wirkstoff weiterhin im Dunkeln. Dies wird vermutlich so bleiben. Wir werden uns mit kleinen Teilerfolgen zufrieden geben müssen. Wäre da nicht die Hoffnung auf eine baldige Impfung, müsste man resignieren und das Feld kampflos dem Virus überlassen. Und wenn dann die Impfung auch nicht funktioniert? Ich wage gar nicht daran zu denken....

13. Oktober 2020

Das Covid-19 hat uns wieder fest im Griff. Und niemand kann prophezeien, was uns die Zukunft bringen wird. Vielleicht müssen wir Marco Rima und seine Gefolgschaft fragen, was wir zu erwarten haben. Die Covid-Leugner wissen ja ohnehin alles - und erst noch besser. Schön, wenn man zu diesen Solidaritätsmuffeln und Corona-Egoisten gehört, welche Fakten leugnen, die für einen halbwegs normal Denkenden nicht zu leugnen sind. Nur: was heisst schon normal? Für die Covidioten gehören gut 95% der Menschheit zu dem Dummen und Blöden. Die Wahrheit kennen nur die restlichen 5%.... Leider oder Gott sei Dank gehöre ich nicht zu den 5% Auserwählten.

4. Oktober 2020

Weil Corona im letzten halben Jahr für die Schlagzeilen gesorgt hatte, sind andere wichtige medizinische Fakten etwas in der Hintergrund gedrängt worden. Das heisst aber nicht, dass die medizinische Forschung stehen geblieben wäre, sind es doch nur einige wenige Firmen, welche ihr Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung des Coronavirus verlegt haben. Spektakuläre Errungenschaften in Diagnostik und Therapie sind ausgeblieben oder nur den Fachleuten bekannt. So wurde heute in der Presse ein Artikel über die Gürtelrose und deren Bekämpfung veröffentlicht. Zwei Impfstoffe kämpfen um den ersten Platz an der Sonne. Jede und jeder, der die Diagnose einer Gürtelrose (Herpes Zoster) entgegen nehmen musste, weiss, wie schwer diese Virusinfektion einem zuvor Gesunden zusetzen kann. Deshalb gewinnt die Impfung immer mehr an Bedeutung, auch wenn sie keinen 100-Prozent-Schutz bietet. Zudem werden die Kosten - über 100 Franken - nicht von der Kasse übernommen. Im Moment scheint jener Impfstoff etwas wirksamer zu sein, welcher in einem bestimmten Abstand 2 Mal verabteicht werden muss.



7. September 2020

CORONA und CO.

Auch einem erfahrenen Arzt fällt es schwer, die verschiedenen Meinungen der Corona-Wissenschafter, selber uneins, unter einen Hut zu bringen. Eine Frage, die mich beschäftigt und auf welche ich keine Antwort habe: sind die Kinder nun so infektiös, wie es ein Teil der Virologen verkündet? Oder sind sie einfach harmlose Träger des Virus? Ist der schwedische Weg, ohne lockdown, der richtige? Dass im nördlichen Land zu Beginn der Pandemie viele Menschen gestorben sind, ist eine unumstössliche Tatsache. Dass vor allem alte und sehr alte Menschen die Erkrankung mit dem Tod bezahlen mussten, ist vielleicht ein kleiner Trost. Ob ein altes Leben weniger wert ist als ein junges, kann fast nicht beantwortet werden. Ethik und Moral geben auch keine endgültige Antwort. Immerhin scheint die schwedische Gangart im Moment mit sehr wenig Neuansteckungen obenauf zu schwingen. Hat vielleicht eine Durchseuchung mit nachfolgender Herdenimmunität stattgefunden? Bisher gibt es nur Vermutungen. Fest steht, dass uns das Virus noch lange, lange beschäftigen wird. Vielleicht müssen wir lernen, damit umzugehen. Von alleine gibt das kleine Ding keine Ruhe.

Noch ein kleiner Kommentar zu den Covidioten, also den Corona-Leugnern mit ihren Wahnideen: wahrscheinlich ist es einfacher, den Mount Everest in der Badehose zu bezwingen, als einen Verschwörungstheoretiker von den Fakten zu überzeugen... (bitte nicht ausprobieren!).



22. August 2020

STUDIEN

Immer wieder kann man lesen, die Studie zB. für eine Covid-Impfung, befände sich in der Phase III. Was hat dies zu bedeuten? Ich versuche eine verständliche Interpretation anzugeben:

Phase 0: ein Produkt, sei es ein Medikament oder eine Impfung, wird mit kleinsten Dosen (Microdosierung) getestet. Die Menge des Wirkstoffes ist so klein, dass nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Schaden angerichtet werden kann. Dies geschieht an 10 - 15 Personen und nimmt Wochen in Anspruch.

Phase I: Erstmalige Anwendung an gesunden Personen. Dabei werden die Aufnahme und der Abbau sowie die Verträglichkeit des Produktes an 20 - 80 Personen untersucht. Dauer: Wochen bis Monate.

Phase II: Nun wird das Theapiekonzept überprüft: wie hoch muss die Dosierung sein, wie oft muss die Substanz gegeben werden, wie wird sie abgebaut usw.? Welche positiven Effekte treten auf? Für diese Phase sucht man 50 - 200 Personen aus. Sie dauert Monate.

Phase III: Ein signifikanter Wirkungsnachweis ist zu diesem Zeitpunkt erforderlich, damit das Medikament oder der Impfstoff die Marktzulassung erhält. Die Studien laufen nach der Marktzulassung weiter (Phase IIIb). Ca. 200 - 10'000 Personen sind beteiligt. Diese Phase dauert Monate bis Jahre.

Phase IV: Das Medikament erweist sich als wirksam und kann nun für die zugelassenen Indikationen, zB. hoher Blutdruck, eingesetzt werden. Es gilt jetzt seltene oder kritische Nebenwirkungen herauszufinden. Herausragende Studienergebnisse werden von den Produzenten nicht selten zu Marketingzwecken eingesetzt. Der Einsatz erfolgt an Tausenden bis Millionen Patienten. Der Zeitaufwand geht in die Jahre.

Vielleicht haben Sie irgendwo gelesen, dass sich zB. der Covid-Impfstoff in Phase III befände. Er wird somit bereits bei einem ausgwählten Kollektiv eingesetzt. Hoffen ist erlaubt....


1. August 2020

Darf man Nachrichten, welche aus Russland kommen, überhaupt trauen? Kommt darauf an: wenn gewisse russische Kreise verlauten lassen, ihr Covid-Impfstoff würde demnächst auf den Markt geworfen, ist Vorsicht angesagt. Grosse Vorsicht. Denn, die besten und kompetentesten Medizin-Wissenschafter arbeiten nicht in Russland, sondern in den USA (Trump wird dies gerne hören) und in Westeuropa. Dies zumindest mein Wissensstand. Und die westlichen Forscher geben sich gar nicht so optimistisch. Im Übrigen haben Studien klar ergeben, dass der Malaria-Wirkstoff Hydroxychloroquin bei einer Covid-Infektion nicht nur nichts nützt, sondern seiner Nebenwirkungen wegen nicht verschrieben werden sollte (nachzulesen in einer neuen Nummer des NEJM). Und wenn ich die Gestik und die Mimik von Donald Trump genau beobachte, vermute ich fast, dass Malariamittel hätte auch bei ihm gewisse Spuren hinterlassen...

5. Juli 2020

Viel wird zur Zeit von Medikamenten geredet, welche bei der Bekämpfung des Coronavirus einen beschränkten Effekt haben sollen. Es sind vorwiegend Produkte, die ihre Wirksamkeit im Kampf gegen andere Viren bewiesen haben. Einer dieser Wirkstoffe wurde in vollem Umfang nach Amerika verkauft. Wo das Geld regiert, bleibt die Moral auf der Strecke. Zudem hat sich der Einsatz eines alten und nicht eben teuren Cortisonproduktes bei der Bekämpfung der Lungenkomplikationen in manchen Fällen als Erfolg erwiesen. Es tut sich etwas an der Front. Aber eben: wir reden hier von Teilerfolgen. Und um eine allfällige Impfung ist es erstaunlich ruhig geworden. Dies wird in den nächsten Monaten so bleiben.

21. Juni 2020

Allerorten wird der Bundesrat für seine forsche Öffnungspolitik kritisiert. Die Kritik kommt nicht in erster Linie von den Menschen, die sich ohnehin nicht an die Vorlagen gehalten hatten; es sind namhafte Forscher und Epidemiologen, welche die Lockerung diverser Massnahmen als verfrüht beurteilen. Die Wissenschafter warnen vor einer 2. Welle, welche schlimmer ausfallen könnte als die erste. Und der abgetretene "mister Covid", Daniel Koch, bekommt auch sein Fett ab.... Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich verzichte darauf, die Kritiken, ob berechtigt oder unberechtigt, an dieser Stelle zu wiederholen. Sie können diese in fast allen Tageszeitungen nachlesen, wenn Sie denn möchten.

Was mich stört und was ich nicht begreife, ist die Tatsache, dass keine Maskenpflicht für die öffentlichen Verkehrsmittel verordnet worden ist. Denn, allen Unkenrufen zum Trotz: einen gewissen Schutz bietet die Maske allemal. Nicht einmal die SWISS verlangt bei ihren Flügen eine Maske. Streiterein zwischen Passagieren, welche eine Maske tragen und den Besserwissern, die sich um Nichts in der Welt verunstalten möchten, sind vorprogrammiert. Hier hat der Bundesrat aus meiner bescheidenen Sicht falsch gehandelt. Eine Korrektur wäre dringend nötig. Sie wird spätestens dann kommen, wenn die Fallzahlen wieder ansteigen, was zu befürchten ist.

15. Juni 2020



Die Euphorie, welche durch erste Ergebnisse von Testimpfstoffen vor einigen Wochen durch die Medien verbreitet wurde, ist verflogen. Die Stimmen, welche sachlich und fachlich auf dem Boden bleiben, gewinnen an Gewicht: es dürfte noch viele Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis wir dem Corona-Virus beikommen. Und wie lange es dauert, bis wir wissen, ob die Impfung nützt, wissen nicht einmal die Götter. Und dann vergeht wieder viel, viel Zeit bis zur Erkenntnis, wie lange eine Impfung wirkt. Lebenslang? Das wäre grossartig. Ob dies ein Wunschtraum bleibt? Und was unternehmen wir, wenn das Virus uns einen Streich spielt und mutiert? Und was, wenn ein neues Virus auftaucht? Niemand auf dieser Welt, kann auf diese Fragen eine halbwegs fundierte Antwort geben. Mittlerweile hat das Coronavirus den Status einer biologischen Waffe erreicht.



3. Juni 2020

Übersterblichkeit

Niemand weiss genau, wie viele Menschen im ersten Halbjahr 2020 weltweit dem Corona-Virus zum Opfer gefallen sind. Wir kennen auch für die Schweiz keine exakten Zahlen. Am nächsten kommt man der Wahrheit vielleicht, wenn man die Übersterblichkeit für die ersten 6 Monate 2020 zu Rate zieht. Was heisst das genau? Für das Jahr 2019 haben wir eine genaue Mortalitätsstatistik (Zahl aller Todesfälle) - eine ziemlich genaue zumindest. Wir können also in der Statistik des zuständigen Bundesamtes nachfragen, wie viele Bewohner unseres Landes in der ersten 6 Monaten des Jahres 2019 an welcher Krankheit gestorben sind. Das Coronavirus war im letzten Jahr in der Schweiz kein Thema. Die Statistiker können anhand der jährlichen Todesfälle ziemlich exakt vorausberechnen, wie viele Verstorbene im ersten Halbjahr 2020 zu erwarten gewesen wären. Dass es viel mehr sind, haben wir dem Coronavirus zu verdanken. Da sich die Nicht-Corona-Todesfälle vermutlich in diesen 6 Monaten gegenüber der Vergleichsperiode 2019 kaum verändert haben dürften, sind die nicht im Voraus berechenbaren Todesfälle auf das Pandemievirus zurückzuführen. Es sind also viel mehr Menschen gestorben, als zu erwarten gewesen wäre. Und dieses Mehr an Todesfällen bezeichnet man als Übersterblichkeit. Und für dieses Phänomen ist fast, fast ausschliesslich das Covid-19 verantwortlich.


23. Mai 2020

Jene Firma, welche als Erste einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus auf den Markt bringen wird, darf mit einem hohen wirtschaftlichen und publizistischen Ertrag rechnen. Dass unter den Pharmafirmen auch Schweizer Unternehmen zu finden sind, überrascht in Anbetracht der Bedeutung dieser Konzerne wenig. Wer das Rennen machen wird, steht noch nicht fest. Allerorten macht sich Optimismus breit; es gibt Spezialisten, die davon überzeugt sind, dass der grosse Durchbruch noch in diesem Jahr erfolgen wird...Obwohl ich den aktuellen Stand der Entwicklung nicht kenne, gehöre ich zu jenen, welche den Optimismus nicht teilen. In der Regel dauert es Jahre, bis ein wirksamer und gut verträglicher Impfstoff gefunden wird. Zudem fehlen Erfahrungen, welche uns erlauben würden, die Wirksamkeit und die Dauer des Impfeffekts abzuschätzen. Vielleicht sucht uns das nächste Virus heim, bevor wir uns gegen den aktuellen Bösewicht schützen können. Zweckpessimismus? Eher nein. Ich wäre nicht traurig, wenn ich nicht recht behielte. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal.

Im Übrigen scheint im Moment eine Firma namens "Moderna" bei der Produktion eines Impfstoffes die Nase vorne zu haben. Sie ist nicht aus der Schweiz....


24. April 2020

Verschiedene Forscher haben sich vor einiger Zeit daran gemacht, einen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln. Kommt Zeit, kommt Rat. Allerdings glaube ich nicht, dass wir noch in diesem Jahr mit einem Impfstoff rechnen können. Normalerweise dauert ein so komplizierter Prozess Jahre - wenn er denn überhaupt Erfolg bringt.
Wie ich schon erwähnt habe, ist es bisher nicht gelungen, eine erfolgreiche Impfung gegen das HI-Virus auf den Markt zu bringen. Wieso soll dies beim Corona-Virus einfacher sein? Zudem hilft der Grippeimpfstoff bei weitem nicht allen Menschen und schützt nicht zu 100%.

Ein weiteres Problem, auf welches bis heute keine Antwort gefunden werden konnte: wie lange hält die Immunbarriere bei einem von Covid Genesenem? Wie lange würde ein Impfschutz halten? Zwei einfache Fragen, auf welche es bis heute keine Antwort gibt.

Viel wird von der Herden-Immunität gesprochen. Eine solche Immunität liegt dann vor, wenn 60 bis 70% der Bevölkerung gegen den Erreger immun sind. Man geht davon aus, dass sich dann eine Infektion nicht mehr weiter ausbreiten kann. Nur: wie erreichen wir diesen hohen Grad an Immunität? Entweder dadurch, dass grosse Teile der Bevölkerung die Krankheit durchmachen oder durch eine Impfung, welche mit Antikörpern gegen den Erreger reagiert.

23. März 2020

Das Coronavirus beherrscht die ganz Welt, nicht nur die Gesundheitssparte. Drei Ziele stehen im Vordergrund:

1. eine höhere Testquote
2. virusvirksame Medikamente
3. eine Impfung

Im Moment können in der Schweiz nur gut 6'000 Personden pro Tag getestet werden. Die nötigen Ressourcen fehlen aus diversen Gründen. Mit einer höheren Testfrequenz könnte besser triagiert werden, was mit einer niedrigeren Erkrankungszahl einherginge. Die Firma Roche, Herstlellerin der Testkits, wird oft unsachgemäss kritisiert. Da die Testreagenzien aus verschiedenen Komponenten, die zum Teile aus dem Ausland bezogen werden, bestehen, sind dem Chemikonzern die Hände gebunden, wenn diese Basisstoffe nicht geliefert werden.

Viruswiksame Medikamente, Virostatica genannt, sind zur Zeit noch nicht verfügbar, entgegen anderslautender Meldungen aus der Presse. Man hatte ja gar nicht die Zeit, solche Substanzen zu entwickeln. Ein kleiner Silberstreifen am Horizont: aus China kommt die Meldung, dass man ein Medikament besitze, welches gegen das Corona-Virus wirksam sein. Bisher wurde dieses Produkt im Kampf gegen andere Viren eingesetzt. Abwarten. Noch fehlen klare Beweise für die Wirksamkeit und noch ist nicht bekannt, ob genügend Tabletten bereit stünden. Gemäss den neuesten Angaben aus Bern, sind 3 weitere Virostatica in Testung. Es wäre fast zu schön, wenn eines dieser Produkte das Coronavirus bremsen könnte.

Zur Zeit steht noch keine Impfung zu Verfügung. Es dürften noch viele Monate ins Land ziehen, bis eine derartige Impfung auf den Markt geworfen wird. Ich selber bin nicht so optimistisch. Warum? Vor 30 bis 35 Jahren, als das HI-Virus viele Menschen aus dem Leben riss, setzte man grosse Hoffnungen auf einen Impfstoff. Diese Hoffnung wurde bis zum heutigen Tage nicht erfüllt. Allerdings gibt es schon länger Medikamente, welche die Vermehrung des HI-Virus zu stoppen vermögen. Immerhin...


10. Februar 2020

Im New England Journal of Medicine (NEJM), einer Zeitschrift, die mich seit vielen, vielen Jahren begleitet und in welcher die neuesten Resultate und Studienergebnisse aus aller Welt veröffentlicht und kommentiert/kritisiert werden, war neulich zu lesen, dass bei Hüft- und Knieprothesen während einer gewissen Zeit zum Schutz vor Thrombosen und Embolien die alleinige Einnahme von Aspirin einen ebenso guten Schutz bietet wie die Prophylaxe mit anderen komplexeren Medikamenten (Xarelto u.a.m.). Noch haben diese Ergebnisse nicht zu einem Umdenken und zu einer Therapieänderung in unseren Spitälern geführt. Gespannt warte ich darauf, bis es so weit ist.

20. Januar 2020

Das neue Kantonsspital Frauenfeld hat eine grosse Menge Besucher angezogen. Der "alte" Hochbau, der im Jahre 1973 seiner Bestimmung übergeben wurde, fällt der Moderne zum Opfer. Unglaublich, wenn man sich darüber Rechenschaft abgibt, dass seit der Züglete ins damals neue Spital nicht einmal 50 Jahre vergangen sind. Weshalb ich dies so gut weiss? Ich war im Jahre 1973 als blutjunger Assistent bei der Züglete dabei! Ich habe demnach noch im ganz alten Spital und im ehemaligen "Siechenhaus" gearbeitet.

30. Dezember 2019

Im Moment stehen die Chirurgen am Pranger. Der Vorwurf - von wem auch immer -, sie würden zu rasch und zu häufig zum Skalpell greifen, um ihr nicht gerade bescheidenes Honorar aufzubessern. Als Arzt halte ich mich vornehm zurück. Dass der eine oder andere Eingriff ohne glasklare Indikation ausgeführt wird, kann kaum bestritten werden. Der Kaiserschnitt und die Entfernung der Gebärmutter dürften in der Rangliste der Operationen mit fraglicher Indikation weit vorne stehen.




13.12.19

Was gibt es Neues in der Medizin? Vieles, ganz vieles. Aber nur weniges, das dem Patienten direkt zugute kommt. Viele neue Studien kümmern sich vor allem um die Krankheitsfälle im Spital. Dennoch gibt es einige Neuigkeiten, die wohl bald in der Praxis Einzug finden werden:

Blutdruck

Über die idealen Werte darf weiter fleissig diskutiert werden. Zeigt der Messer einen Wert zwischen 120 - 140 oben und 70 - 90 unten an, darf man von einer guten Einstellung sprechen. Dass die Toleranz bei älteren Menschen etwas grösser ist, wird nicht mehr bestritten.

Eine Neu-Einstellung sollte heutzutage mit einer Zweierkombination erfolgen. Es gibt ja in der Zwischenzeit sehr viele Produkte, in welcher in einer einzigen Pille zwei oder mehr Wirkstoffe eingebaut sind. Meist ist in den Kombinationen ein Medikament enthalten, welches über den Wasserhaushalt seine Wirkung entfaltet. Noch etwas: die beste Kombination gibt es eher nicht. Was für den Einen hervorragend geeignet ist, versagt vielleicht beim Zweiten.

Asthma

Für den Notfall hatte man bisher nur einen Spray mit einem rasch wirkenden, steroidfreien Medikament dabei. Unter diesen ist Ventolin wohl das bekannteste. Nach neueren Studien sollte man heute den betoffenen Patienten einen Spray abgeben, der sowohl einen rasch wirkenden Stoff plus einen Cortisonanteil enthält. Die Ergebnisse sind mit dieser Kombination deutlich besser. Die Industrie hat reagiert und entsprechende Kombinationen auf den Markt gebracht.

Diabetes

Auch als Arzt, der sich immer und immer wieder mit der neuesten Literatur auseinandersetzt, wird es zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Ich möchte mich hier nicht zu sehr auf die aktuellen Richtlinien einlassen, aber gewisse Tendenzen aufzeigen. Es ist wohl nur noch eine kurze Frage der Zeit, bis Metformin (Metfin und viele Kombi-Präparate) als Einstiegstherapie bei einem neu entdeckten Diabetes abgelöst wird. Es gibt neuere Produkte - zB. die SGLT2-Hemmer -, welche nicht nur den Blutzucker effektiv senken, sondern vor allem bei Herzpatienten eine positve Wirkung entfalten. Zudem verliert der Zuckerkanke unter dieser Behandlung ein paar Kilogramm. Es ist abzusehen, dass diese Produkte in Bälde nicht nur bei Diabetikern weite Verbreitung erfahren, sondern auch bei nichtdiabetischen Herzkranken zum Zuge kommen werden. Andere Produkte, die zum Beispiel nur 1 x pro Woche gespritzt werden müssen, gewinnen immer mehr Zulauf. Dass die Insuline ihren Platz behalten werden, sei nur am Rande erwähnt. Bekannte SGLT2-Hemmer sind u.a. Forxiga, Invokana, Jardiance, Steglatro.

28. Oktober 2019

Gemäss neuesten Informationen in der Fachliteratur wird das Stethoskop künftig nur noch als Arztsymbol verwendet. Seine Zeit ist abgelaufen. Technische Apparaturen haben dem ständigen Begleiter des Arztes das Leben ausgehaucht - oder doch nicht? Ich selber kann mir die Arbeit ohne die praktische Hörhilfe nicht vorstellen. Und solange ich noch als Arzt arbeite, werde ich micht nicht von dem einfachen und doch so nützlichen Instrument trennen. Aber eben: Übung macht den Meister. Und ich kann mir vorstellen, dass die angehenden Ärzte den Umgang und den Gebrauch des Stethos gar nicht mehr erlernen. Schade. Doch der Lauf der Zeiten ist nicht aufzuhalten.

Vergessen Sie nicht, sich bald gegen die Grippe impfen zu lassen. Je früher desto besser? Nicht unbedingt. Denn, auch die neuesten Impfstoffe gewähren nur einen relativen Schutz für vielleicht 6 Monate. Und wenn Sie sich jetzt impfen lassen, die Grippe aber erst Ende März grassiert, könnte es sein, dass der Schutz nicht mehr genügt.


Schematische Darstellung des Grippevirus


31. August 2019

Es kommt selten genug vor, dass Schweizerische Fachgesellschaften in der Medizin nicht die Vorlagen der amerikanischen Kollegen übernehmen. Es grenzt fast an ein kleines Wunder, dass sich die Schweizerische Hypertoniegesellschaft nicht an die Vorgaben aus Übersee hält. Die Spezialisten gehen gar noch einen Schritt weiter und verkünden unumwunden, dass die amerikanischen Leitlinien, was die Höhe des Blutdruckes bestrifft, unbrauchbar seien. Punkt. Ein grosses Bravo den mutigen Wortführern.

Wie hoch soll denn der Blutdruck gemäss neuesten Richtlinien sein? Man gibt keine absoluten Werte mehr an, sondern eine Bandbreite. Systolische Werte zwischen 120 - 140 mm Hg sind anzustreben, diastolische zwischen 70 - 90 mm Hg. Der ideale Blutdruck läge dann bei 130/80. Dass bei älteren Menschen eher die oberen Grenzen anzustreben sind, ist ebenso klar wie die Tatsache, dass jüngere Patienten eher einen Blutdruck im unteren Grenzbereich aufweisen. Zudem wird von Anfang an eine 2-er-Kombination angestrebt; also ein Mittel verabreicht, welches zwei Wirkstoffe enthält. Welche dies sind, weiss Ihr Hausarzt.



1. August 2019

Die Medizin wird immer komplexer. Die Spezialfächer und die Subspezialitäten nehmen zu. Der praktische Allgemeinarzt mit seinem breiten Wissen ist immer weniger gefragt. Seine Tage sind gezählt.
Schade? Ja und nein. Ja, wenn Diagnostik und Therapie dadurch besser werden; nein, wenn es für eine einfache Diagnose immer mehr technische Hilfsmittel braucht. Ein kleines Beispiel: waren vor 30 oder 40 Jahren für die Diagnose einer akuten Blinddarmentzündung allein die klinischen Befunde und das Können des zuständigen Arztes entscheidend, so braucht es heute eine Sonographie, Labortests und ev. ein Computertomogramm, ehe man zur Tat - oder eben nicht - schreitet. Ob die Diagnostik durch die zunehmende Technik besser geworden ist, wage ich zu bezweifeln. Fest steht indes, dass die jungen Doctores heute nicht mehr imstande sind, einen Bauch mit ihren Händen zu untersuchen (palpieren) und zu beurteilen. Ein Verlust? Ich denke schon...

Im Übrigen traue ich mir dieses Urteil aus eigener Erfahrung als Patient zu.



8. Juli 2019

Oftmals gelingt es uns Ärzten nicht, die Ursache eines Leidens herauszufinden. Glücklicherweise kommt uns manchmal der Zufall oder ein zunächst harmloser Hinweis zuhilfe. Ich schildere hier eine
kleine Begebenheit aus meinem eigenen Leben: ich hatte im letzten Jahr eine Achillessehnenentzündung rechts, deren Ursache mir völlig unklar war. Ich dachte zunächst an das Blutdruckmittel, das ich seit längerer Zeit regelmässig einnehme. Ich liess es für einige Zeit weg - ohne positiven Effekt. Nach einem halben Jahr war die Sehne wieder in Ordnung. Das Blutdruckmittel hatte ich schon länger wieder eingenommen. Abhaken und vergessen. Nicht ganz: im Mai dieses Jahres ging die Geschichte von Neuem los. Wiederum konnte ich mir keinen Reim auf die Ursache machen. Zunächst. Ab dem 9. Mai hatte ich nach einem urologischen Eingriff Ciproxin, ein bekanntes Antibioticum aus der Gruppe der Chinolone, eingenommen. Plötzlich ging mir ein Lichtlein auf, was leider selten genug vorkommt: die Entzündung trat tatsächlich unmittelbar mit dem Beginn der Antibioticumtherapie auf... Sofort habe ich mich ans Literaturstudium gemacht. Und nun besteht kein Zweifel mehr an Ursache und Wirkung. In der Literatur sind sogar Fälle beschrieben, in welchem es wenige Stunden nach dem Schlucken der ersten Tablette eines Chinolones wie Ciproxin zur Ruptur (Riss) einer Sehne gekommen war. Betroffen waren nicht nur die Achillessehne, sondern auch solche im Schulterbereich (Rotatoren-Manschette). Sachen gibts, die gibts gar nicht.



Künftig werde ich bei meinen Praxisvertretungen Ciproxin nicht mehr verschreiben. Es gibt Alternativen.

Im Übrigen habe ich das Antibioticum sofort abgesetzt. Der Sehne geht es besser, aber noch nicht gut. Ich denke, dass die Sache nach insgesamt 3 Monaten in Ordnung sein sollte. Und die Therapie? Lokal etwas Sportgel und bei Bedarf einen Entzündungshemmer einnehmen. In meinem Fall Vimovo.

Mit Sicherheit werden die möglichen Nebenwirkungen auch von uns Ärzten unteschätzt. Und nicht selten führt nicht die Krankheit, sondern die Therapie zum Tode. Eine traurige, eine himmeltraurige Nachricht...

20. Mai 2019

Dass auch in der medizinischen Forschung nicht immer alles rund läuft, hat die angebliche Sensation um einen neuen Bluttest klar zutage gefördert. Aus der Uniklinik im deutschen Heidelberg war zu vernehmen, dass es Forschern gelungen sei, mittels eines Bluttestes ein Mammacarcinom im Frühstadium zu erkennen. Zu einem Zeitpunkt also, in welchem die bisher bekannten Untersuchungen inkl. Gewebeprobe noch versagen. Alles Schall und Rauch! Noch bevor die Weltneuheit auf den Markt geworfen werden konnte, hat die Staatsanwaltschaft eingegriffen. Der Test versagt in zweierlei Hinsicht: zum Einen erkennt er den noch jungen Krebs nicht bei allen Befallenen; zum Anderen schlägt er bei Frauen an, die gar keinen Brustkrebs haben. Ein Test zum Vergessen, um den vor allem in Deutschland ein riesiger Hype entstanden war... Si tacuisses, philosophus mansisses (für die wenigen Nicht-Lateiner: hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben...). Oder: Lügen haben kurze Beine (in der Politik nicht immer).




6. Mai 019

MASERN

Im Jahre vor meinem Staatsexamen habe ich mir in einem 4-monatigen Praktikum im damaligen Rhodesien - heute Zimbabwe - viel Können und Wissen aneignen dürfen, welche mir in meinem Berufsleben zugute gekommen sind. Das Musiso-Hospital in Zaka, von der Bethlehem Mission Schweiz gegründet und unterhalten, war damals im Umkreis von mehr als 100 km das einzige Spital mitten im Busch. Neben dem kleinen Spital gehörten auch eine Missionsschule und eine kleine Farm zum Anwesen. Noch heute kann ich mich gut erinnern, wie fast tagtäglich mehrere Säuglinge und Kleinkinder mit einer Masern-Encephailits (Hirnentzündung) zum Sterben ins Spital gebracht wurden. Therapien gab und gibt es keine. Ganz offensichtlich haben die Kinder schwarzer Hautfarbe weniger Abwehstoffe gegen das Virus, was zu einer erhöhten Sterblichkeit führt. Wer Solches erlebt hat, bringt für Impfgegner kaum Verständnis auf. Nicht zu vergessen: in den frühen 70-er Jahren war noch kein Impfstoff auf dem Markt.

PS: neulich sind in der Schweiz 2 Männern an Masern gestorben. Die Umstände kenne ich (noch) nicht...





Nach meinem Staatsexamen arbeitete ich zunächst eine Wintersaison als Assistent in einer grossen Praxis in Flims-Waldhaus. Nach diesen strengen Monaten wollte ich es wissen: ich marschierte vom Regen in die Traufe und reiste als IKRK-Arzt ins mir bisher unbekannte Bangla Desh. Was ich dort alles erleben musste und durfte, hat auf einem Schreibbogen keinen Platz. Was mir ein Leben lang bleiben wird, sind die Pockenkranken, die ich noch mit eigenen Augen gesehen hatte. Nur etwa die Hälfte der Erkrankten überlebt diese entstellende Krankheit. Und wenn man die Narben im Gesicht und an anderen Körperstellen eines Überlebenden gesehen hat, ist man geprägt und dankt dem Himmel, dass bereits zu jener Zeit ein sicherer Impfstoff gefunden worden war, welcher in den Entwicklungsländern, wo er am dringendsten benötigt worden wäre, noch nicht vorrätig war. In der Zwischenzeit sind die Pocken weltweit ausgerottet. Ein grosser Segen. Für mich als nicht mehr junger Arzt, der in seinem Leben doch einiges gesehen und erlebt hat, ist es absolut unverständlich, dass es in Anbetracht des Impfsegens Ärzte gibt, die sich als Impfgegner profilieren....




29. April 2019

IMPFUNGEN

Wenn Sie ein Impfverfechter sind und in Versuchung geraten, übrige Zeit zu vertrödeln, dann rate ich Ihnen, sich mit einem Impfgegner auf eine Diskusssion, besser gesagt - auf einen Monolog einzulassen. Nach kurzer Zeit wird Ihnen ob der eigenwilligen Argumentation des Gegners Hören und Sehen vergehen - oder aber der Schnauf ausgehen. Schon vor vielen, vielen Jahren habe ich es in der Praxis aufgegeben, mich mit einem Impfgegner zu messen. Komplet verlorene Zeit. Denn, wenn von Anfang an klar ist, dass einer der Teilnehmer keinen Millimeter von seiner vorgefassten Meinung abweicht, dann kann überhaupt kein sinnvoller Diskurs entstehen. Wirklich schade um jede Sekunde.


Masern...


Ich verzichte darauf, den Impfgegnern (IG) an den Karren zu fahren. Das führt zu nichts. Dennoch will ich ein paar kritische Bemerkungen anbringen:

- die IG behaupten, die Studien zur Wirksamkeit seien alle gefälscht. Dass allein die Daten, über die sie angeblich verfügen, korrekt seien, darf von niemandem angezweifelt werden;
- die Impfstoffhersteller hätten selbstverständlich das grösste Interesse daran, möglichst viele Impfdosen zu verkaufen. Aus dieser Überlegung heraus würden sie zur Fälschung der Studien beitragen;
- die Nebenwirkungen, die es tatsächlich gibt, seien um ein Vielfaches häufiger und wesentlich schlimmer, als es die Studien wahrhaben wollten;
- Impfungen würden dazu beitragen, das Immunsystem zu schwächen und im Extremfall zu zerstören;
- es gäbe nicht wenige Fälle von Krebs, die einer Impfung zuzuschreiben seien;
- usw, usw....es gäbe noch der Argumente viele.



Masern...

Dass es auch unter den Ärzten Impfgegner gibt - es sind nur wenige Prozent -, erstaunt nicht, ist es doch jedem freigestellt, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Ob es aber
Sinn macht, vor allem Kindern eine nachgewiesen heilsame Behandlung zu verwehren, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Und es gibt in der Zwischenzeit in verschiedenen Ländern Betriebe und Unternehmen, die von einem Stellensuchenden zwingend gewisse Impfungen verlangen. Den umgekehrten Fall, dass eine Firma nur Menschen einstellt, die nicht geimpft sind, habe ich bisher nicht erlebt.

Für mich ist das Pro und Contra auch eine Frage der Fairness: Nichtgeimpfte aus Überzeugung (der Eltern), können einen Infekt an andere Kinder und Erwachsene übertragen, die aus Versehen nicht
geimpft wurden oder aus einem Land zu uns kommen, wo kein Impfstoff zu Verfügung stand.

Im Übrigen bringt es gar nichts, wenn das Schweizer Fersehen versucht, eine ausgewogene Sendung über Sinn oder Unsinn der Impfung zu gestalten. Zum Einen weicht keiner von seiner Meinung ab;
zum Anderen müssten Befürworter und Gegner in jenem Verhältnis vertreten sein, wie sie sich in der Gesamtbevölkerung prozentual darstellen. Gegen die krasse Übermacht der Impfbefürworter hätten auch die fanatischsten Impfgegner einen sehr schweren Stand.



.... tut es weh?? (blöde Frage....)

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