Medizin - Website und Blog von Dr. med. Alois Giger, Bischofszell

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Medizin

7. September 2020

CORONA und CO.

Auch einem erfahrenen Arzt fällt es schwer, die verschiedenen Meinungen der Corona-Wissenschafter, selber uneins, unter einen Hut zu bringen. Eine Frage, die mich beschäftigt und auf welche ich keine Antwort habe: sind die Kinder nun so infektiös, wie es ein Teil der Virologen verkündet? Oder sind sie einfach harmlose Träger des Virus? Ist der schwedische Weg, ohne lockdown, der richtige? Dass im nördlichen Land zu Beginn der Pandemie viele Menschen gestorben sind, ist eine unumstössliche Tatsache. Dass vor allem alte und sehr alte Menschen die Erkrankung mit dem Tod bezahlen mussten, ist vielleicht ein kleiner Trost. Ob ein altes Leben weniger wert ist als ein junges, kann fast nicht beantwortet werden. Ethik und Moral geben auch keine endgültige Antwort. Immerhin scheint die schwedische Gangart im Moment mit sehr wenig Neuansteckungen obenauf zu schwingen. Hat vielleicht eine Durchseuchung mit nachfolgender Herdenimmunität stattgefunden? Bisher gibt es nur Vermutungen. Fest steht, dass uns das Virus noch lange, lange beschäftigen wird. Vielleicht müssen wir lernen, damit umzugehen. Von alleine gibt das kleine Ding keine Ruhe.

Noch ein kleiner Kommentar zu den Covidioten, also den Corona-Leugnern mit ihren Wahnideen: wahrscheinlich ist es einfacher, den Mount Everest in der Badehose zu bezwingen, als einen Verschwörungstheoretiker von den Fakten zu überzeugen... (bitte nicht ausprobieren!).



22. August 2020

STUDIEN

Immer wieder kann man lesen, die Studie zB. für eine Covid-Impfung, befände sich in der Phase III. Was hat dies zu bedeuten? Ich versuche eine verständliche Interpretation anzugeben:

Phase 0: ein Produkt, sei es ein Medikament oder eine Impfung, wird mit kleinsten Dosen (Microdosierung) getestet. Die Menge des Wirkstoffes ist so klein, dass nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Schaden angerichtet werden kann. Dies geschieht an 10 - 15 Personen und nimmt Wochen in Anspruch.

Phase I: Erstmalige Anwendung an gesunden Personen. Dabei werden die Aufnahme und der Abbau sowie die Verträglichkeit des Produktes an 20 - 80 Personen untersucht. Dauer: Wochen bis Monate.

Phase II: Nun wird das Theapiekonzept überprüft: wie hoch muss die Dosierung sein, wie oft muss die Substanz gegeben werden, wie wird sie abgebaut usw.? Welche positiven Effekte treten auf? Für diese Phase sucht man 50 - 200 Personen aus. Sie dauert Monate.

Phase III: Ein signifikanter Wirkungsnachweis ist zu diesem Zeitpunkt erforderlich, damit das Medikament oder der Impfstoff die Marktzulassung erhält. Die Studien laufen nach der Marktzulassung weiter (Phase IIIb). Ca. 200 - 10'000 Personen sind beteiligt. Diese Phase dauert Monate bis Jahre.

Phase IV: Das Medikament erweist sich als wirksam und kann nun für die zugelassenen Indikationen, zB. hoher Blutdruck, eingesetzt werden. Es gilt jetzt seltene oder kritische Nebenwirkungen herauszufinden. Herausragende Studienergebnisse werden von den Produzenten nicht selten zu Marketingzwecken eingesetzt. Der Einsatz erfolgt an Tausenden bis Millionen Patienten. Der Zeitaufwand geht in die Jahre.

Vielleicht haben Sie irgendwo gelesen, dass sich zB. der Covid-Impfstoff in Phase III befände. Er wird somit bereits bei einem ausgwählten Kollektiv eingesetzt. Hoffen ist erlaubt....


1. August 2020

Darf man Nachrichten, welche aus Russland kommen, überhaupt trauen? Kommt darauf an: wenn gewisse russische Kreise verlauten lassen, ihr Covid-Impfstoff würde demnächst auf den Markt geworfen, ist Vorsicht angesagt. Grosse Vorsicht. Denn, die besten und kompetentesten Medizin-Wissenschafter arbeiten nicht in Russland, sondern in den USA (Trump wird dies gerne hören) und in Westeuropa. Dies zumindest mein Wissensstand. Und die westlichen Forscher geben sich gar nicht so optimistisch. Im Übrigen haben Studien klar ergeben, dass der Malaria-Wirkstoff Hydroxychloroquin bei einer Covid-Infektion nicht nur nichts nützt, sondern seiner Nebenwirkungen wegen nicht verschrieben werden sollte (nachzulesen in einer neuen Nummer des NEJM). Und wenn ich die Gestik und die Mimik von Donald Trump genau beobachte, vermute ich fast, dass Malariamittel hätte auch bei ihm gewisse Spuren hinterlassen...

5. Juli 2020

Viel wird zur Zeit von Medikamenten geredet, welche bei der Bekämpfung des Coronavirus einen beschränkten Effekt haben sollen. Es sind vorwiegend Produkte, die ihre Wirksamkeit im Kampf gegen andere Viren bewiesen haben. Einer dieser Wirkstoffe wurde in vollem Umfang nach Amerika verkauft. Wo das Geld regiert, bleibt die Moral auf der Strecke. Zudem hat sich der Einsatz eines alten und nicht eben teuren Cortisonproduktes bei der Bekämpfung der Lungenkomplikationen in manchen Fällen als Erfolg erwiesen. Es tut sich etwas an der Front. Aber eben: wir reden hier von Teilerfolgen. Und um eine allfällige Impfung ist es erstaunlich ruhig geworden. Dies wird in den nächsten Monaten so bleiben.

21. Juni 2020

Allerorten wird der Bundesrat für seine forsche Öffnungspolitik kritisiert. Die Kritik kommt nicht in erster Linie von den Menschen, die sich ohnehin nicht an die Vorlagen gehalten hatten; es sind namhafte Forscher und Epidemiologen, welche die Lockerung diverser Massnahmen als verfrüht beurteilen. Die Wissenschafter warnen vor einer 2. Welle, welche schlimmer ausfallen könnte als die erste. Und der abgetretene "mister Covid", Daniel Koch, bekommt auch sein Fett ab.... Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich verzichte darauf, die Kritiken, ob berechtigt oder unberechtigt, an dieser Stelle zu wiederholen. Sie können diese in fast allen Tageszeitungen nachlesen, wenn Sie denn möchten.

Was mich stört und was ich nicht begreife, ist die Tatsache, dass keine Maskenpflicht für die öffentlichen Verkehrsmittel verordnet worden ist. Denn, allen Unkenrufen zum Trotz: einen gewissen Schutz bietet die Maske allemal. Nicht einmal die SWISS verlangt bei ihren Flügen eine Maske. Streiterein zwischen Passagieren, welche eine Maske tragen und den Besserwissern, die sich um Nichts in der Welt verunstalten möchten, sind vorprogrammiert. Hier hat der Bundesrat aus meiner bescheidenen Sicht falsch gehandelt. Eine Korrektur wäre dringend nötig. Sie wird spätestens dann kommen, wenn die Fallzahlen wieder ansteigen, was zu befürchten ist.

15. Juni 2020



Die Euphorie, welche durch erste Ergebnisse von Testimpfstoffen vor einigen Wochen durch die Medien verbreitet wurde, ist verflogen. Die Stimmen, welche sachlich und fachlich auf dem Boden bleiben, gewinnen an Gewicht: es dürfte noch viele Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis wir dem Corona-Virus beikommen. Und wie lange es dauert, bis wir wissen, ob die Impfung nützt, wissen nicht einmal die Götter. Und dann vergeht wieder viel, viel Zeit bis zur Erkenntnis, wie lange eine Impfung wirkt. Lebenslang? Das wäre grossartig. Ob dies ein Wunschtraum bleibt? Und was unternehmen wir, wenn das Virus uns einen Streich spielt und mutiert? Und was, wenn ein neues Virus auftaucht? Niemand auf dieser Welt, kann auf diese Fragen eine halbwegs fundierte Antwort geben. Mittlerweile hat das Coronavirus den Status einer biologischen Waffe erreicht.



3. Juni 2020

Übersterblichkeit

Niemand weiss genau, wie viele Menschen im ersten Halbjahr 2020 weltweit dem Corona-Virus zum Opfer gefallen sind. Wir kennen auch für die Schweiz keine exakten Zahlen. Am nächsten kommt man der Wahrheit vielleicht, wenn man die Übersterblichkeit für die ersten 6 Monate 2020 zu Rate zieht. Was heisst das genau? Für das Jahr 2019 haben wir eine genaue Mortalitätsstatistik (Zahl aller Todesfälle) - eine ziemlich genaue zumindest. Wir können also in der Statistik des zuständigen Bundesamtes nachfragen, wie viele Bewohner unseres Landes in der ersten 6 Monaten des Jahres 2019 an welcher Krankheit gestorben sind. Das Coronavirus war im letzten Jahr in der Schweiz kein Thema. Die Statistiker können anhand der jährlichen Todesfälle ziemlich exakt vorausberechnen, wie viele Verstorbene im ersten Halbjahr 2020 zu erwarten gewesen wären. Dass es viel mehr sind, haben wir dem Coronavirus zu verdanken. Da sich die Nicht-Corona-Todesfälle vermutlich in diesen 6 Monaten gegenüber der Vergleichsperiode 2019 kaum verändert haben dürften, sind die nicht im Voraus berechenbaren Todesfälle auf das Pandemievirus zurückzuführen. Es sind also viel mehr Menschen gestorben, als zu erwarten gewesen wäre. Und dieses Mehr an Todesfällen bezeichnet man als Übersterblichkeit. Und für dieses Phänomen ist fast, fast ausschliesslich das Covid-19 verantwortlich.


23. Mai 2020

Jene Firma, welche als Erste einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus auf den Markt bringen wird, darf mit einem hohen wirtschaftlichen und publizistischen Ertrag rechnen. Dass unter den Pharmafirmen auch Schweizer Unternehmen zu finden sind, überrascht in Anbetracht der Bedeutung dieser Konzerne wenig. Wer das Rennen machen wird, steht noch nicht fest. Allerorten macht sich Optimismus breit; es gibt Spezialisten, die davon überzeugt sind, dass der grosse Durchbruch noch in diesem Jahr erfolgen wird...Obwohl ich den aktuellen Stand der Entwicklung nicht kenne, gehöre ich zu jenen, welche den Optimismus nicht teilen. In der Regel dauert es Jahre, bis ein wirksamer und gut verträglicher Impfstoff gefunden wird. Zudem fehlen Erfahrungen, welche uns erlauben würden, die Wirksamkeit und die Dauer des Impfeffekts abzuschätzen. Vielleicht sucht uns das nächste Virus heim, bevor wir uns gegen den aktuellen Bösewicht schützen können. Zweckpessimismus? Eher nein. Ich wäre nicht traurig, wenn ich nicht recht behielte. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal.

Im Übrigen scheint im Moment eine Firma namens "Moderna" bei der Produktion eines Impfstoffes die Nase vorne zu haben. Sie ist nicht aus der Schweiz....


24. April 2020

Verschiedene Forscher haben sich vor einiger Zeit daran gemacht, einen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu entwickeln. Kommt Zeit, kommt Rat. Allerdings glaube ich nicht, dass wir noch in diesem Jahr mit einem Impfstoff rechnen können. Normalerweise dauert ein so komplizierter Prozess Jahre - wenn er denn überhaupt Erfolg bringt.
Wie ich schon erwähnt habe, ist es bisher nicht gelungen, eine erfolgreiche Impfung gegen das HI-Virus auf den Markt zu bringen. Wieso soll dies beim Corona-Virus einfacher sein? Zudem hilft der Grippeimpfstoff bei weitem nicht allen Menschen und schützt nicht zu 100%.

Ein weiteres Problem, auf welches bis heute keine Antwort gefunden werden konnte: wie lange hält die Immunbarriere bei einem von Covid Genesenem? Wie lange würde ein Impfschutz halten? Zwei einfache Fragen, auf welche es bis heute keine Antwort gibt.

Viel wird von der Herden-Immunität gesprochen. Eine solche Immunität liegt dann vor, wenn 60 bis 70% der Bevölkerung gegen den Erreger immun sind. Man geht davon aus, dass sich dann eine Infektion nicht mehr weiter ausbreiten kann. Nur: wie erreichen wir diesen hohen Grad an Immunität? Entweder dadurch, dass grosse Teile der Bevölkerung die Krankheit durchmachen oder durch eine Impfung, welche mit Antikörpern gegen den Erreger reagiert.

23. März 2020

Das Coronavirus beherrscht die ganz Welt, nicht nur die Gesundheitssparte. Drei Ziele stehen im Vordergrund:

1. eine höhere Testquote
2. virusvirksame Medikamente
3. eine Impfung

Im Moment können in der Schweiz nur gut 6'000 Personden pro Tag getestet werden. Die nötigen Ressourcen fehlen aus diversen Gründen. Mit einer höheren Testfrequenz könnte besser triagiert werden, was mit einer niedrigeren Erkrankungszahl einherginge. Die Firma Roche, Herstlellerin der Testkits, wird oft unsachgemäss kritisiert. Da die Testreagenzien aus verschiedenen Komponenten, die zum Teile aus dem Ausland bezogen werden, bestehen, sind dem Chemikonzern die Hände gebunden, wenn diese Basisstoffe nicht geliefert werden.

Viruswiksame Medikamente, Virostatica genannt, sind zur Zeit noch nicht verfügbar, entgegen anderslautender Meldungen aus der Presse. Man hatte ja gar nicht die Zeit, solche Substanzen zu entwickeln. Ein kleiner Silberstreifen am Horizont: aus China kommt die Meldung, dass man ein Medikament besitze, welches gegen das Corona-Virus wirksam sein. Bisher wurde dieses Produkt im Kampf gegen andere Viren eingesetzt. Abwarten. Noch fehlen klare Beweise für die Wirksamkeit und noch ist nicht bekannt, ob genügend Tabletten bereit stünden. Gemäss den neuesten Angaben aus Bern, sind 3 weitere Virostatica in Testung. Es wäre fast zu schön, wenn eines dieser Produkte das Coronavirus bremsen könnte.

Zur Zeit steht noch keine Impfung zu Verfügung. Es dürften noch viele Monate ins Land ziehen, bis eine derartige Impfung auf den Markt geworfen wird. Ich selber bin nicht so optimistisch. Warum? Vor 30 bis 35 Jahren, als das HI-Virus viele Menschen aus dem Leben riss, setzte man grosse Hoffnungen auf einen Impfstoff. Diese Hoffnung wurde bis zum heutigen Tage nicht erfüllt. Allerdings gibt es schon länger Medikamente, welche die Vermehrung des HI-Virus zu stoppen vermögen. Immerhin...


10. Februar 2020

Im New England Journal of Medicine (NEJM), einer Zeitschrift, die mich seit vielen, vielen Jahren begleitet und in welcher die neuesten Resultate und Studienergebnisse aus aller Welt veröffentlicht und kommentiert/kritisiert werden, war neulich zu lesen, dass bei Hüft- und Knieprothesen während einer gewissen Zeit zum Schutz vor Thrombosen und Embolien die alleinige Einnahme von Aspirin einen ebenso guten Schutz bietet wie die Prophylaxe mit anderen komplexeren Medikamenten (Xarelto u.a.m.). Noch haben diese Ergebnisse nicht zu einem Umdenken und zu einer Therapieänderung in unseren Spitälern geführt. Gespannt warte ich darauf, bis es so weit ist.

20. Januar 2020

Das neue Kantonsspital Frauenfeld hat eine grosse Menge Besucher angezogen. Der "alte" Hochbau, der im Jahre 1973 seiner Bestimmung übergeben wurde, fällt der Moderne zum Opfer. Unglaublich, wenn man sich darüber Rechenschaft abgibt, dass seit der Züglete ins damals neue Spital nicht einmal 50 Jahre vergangen sind. Weshalb ich dies so gut weiss? Ich war im Jahre 1973 als blutjunger Assistent bei der Züglete dabei! Ich habe demnach noch im ganz alten Spital und im ehemaligen "Siechenhaus" gearbeitet.

30. Dezember 2019

Im Moment stehen die Chirurgen am Pranger. Der Vorwurf - von wem auch immer -, sie würden zu rasch und zu häufig zum Skalpell greifen, um ihr nicht gerade bescheidenes Honorar aufzubessern. Als Arzt halte ich mich vornehm zurück. Dass der eine oder andere Eingriff ohne glasklare Indikation ausgeführt wird, kann kaum bestritten werden. Der Kaiserschnitt und die Entfernung der Gebärmutter dürften in der Rangliste der Operationen mit fraglicher Indikation weit vorne stehen.




13.12.19

Was gibt es Neues in der Medizin? Vieles, ganz vieles. Aber nur weniges, das dem Patienten direkt zugute kommt. Viele neue Studien kümmern sich vor allem um die Krankheitsfälle im Spital. Dennoch gibt es einige Neuigkeiten, die wohl bald in der Praxis Einzug finden werden:

Blutdruck

Über die idealen Werte darf weiter fleissig diskutiert werden. Zeigt der Messer einen Wert zwischen 120 - 140 oben und 70 - 90 unten an, darf man von einer guten Einstellung sprechen. Dass die Toleranz bei älteren Menschen etwas grösser ist, wird nicht mehr bestritten.

Eine Neu-Einstellung sollte heutzutage mit einer Zweierkombination erfolgen. Es gibt ja in der Zwischenzeit sehr viele Produkte, in welcher in einer einzigen Pille zwei oder mehr Wirkstoffe eingebaut sind. Meist ist in den Kombinationen ein Medikament enthalten, welches über den Wasserhaushalt seine Wirkung entfaltet. Noch etwas: die beste Kombination gibt es eher nicht. Was für den Einen hervorragend geeignet ist, versagt vielleicht beim Zweiten.

Asthma

Für den Notfall hatte man bisher nur einen Spray mit einem rasch wirkenden, steroidfreien Medikament dabei. Unter diesen ist Ventolin wohl das bekannteste. Nach neueren Studien sollte man heute den betoffenen Patienten einen Spray abgeben, der sowohl einen rasch wirkenden Stoff plus einen Cortisonanteil enthält. Die Ergebnisse sind mit dieser Kombination deutlich besser. Die Industrie hat reagiert und entsprechende Kombinationen auf den Markt gebracht.

Diabetes

Auch als Arzt, der sich immer und immer wieder mit der neuesten Literatur auseinandersetzt, wird es zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Ich möchte mich hier nicht zu sehr auf die aktuellen Richtlinien einlassen, aber gewisse Tendenzen aufzeigen. Es ist wohl nur noch eine kurze Frage der Zeit, bis Metformin (Metfin und viele Kombi-Präparate) als Einstiegstherapie bei einem neu entdeckten Diabetes abgelöst wird. Es gibt neuere Produkte - zB. die SGLT2-Hemmer -, welche nicht nur den Blutzucker effektiv senken, sondern vor allem bei Herzpatienten eine positve Wirkung entfalten. Zudem verliert der Zuckerkanke unter dieser Behandlung ein paar Kilogramm. Es ist abzusehen, dass diese Produkte in Bälde nicht nur bei Diabetikern weite Verbreitung erfahren, sondern auch bei nichtdiabetischen Herzkranken zum Zuge kommen werden. Andere Produkte, die zum Beispiel nur 1 x pro Woche gespritzt werden müssen, gewinnen immer mehr Zulauf. Dass die Insuline ihren Platz behalten werden, sei nur am Rande erwähnt. Bekannte SGLT2-Hemmer sind u.a. Forxiga, Invokana, Jardiance, Steglatro.

28. Oktober 2019

Gemäss neuesten Informationen in der Fachliteratur wird das Stethoskop künftig nur noch als Arztsymbol verwendet. Seine Zeit ist abgelaufen. Technische Apparaturen haben dem ständigen Begleiter des Arztes das Leben ausgehaucht - oder doch nicht? Ich selber kann mir die Arbeit ohne die praktische Hörhilfe nicht vorstellen. Und solange ich noch als Arzt arbeite, werde ich micht nicht von dem einfachen und doch so nützlichen Instrument trennen. Aber eben: Übung macht den Meister. Und ich kann mir vorstellen, dass die angehenden Ärzte den Umgang und den Gebrauch des Stethos gar nicht mehr erlernen. Schade. Doch der Lauf der Zeiten ist nicht aufzuhalten.

Vergessen Sie nicht, sich bald gegen die Grippe impfen zu lassen. Je früher desto besser? Nicht unbedingt. Denn, auch die neuesten Impfstoffe gewähren nur einen relativen Schutz für vielleicht 6 Monate. Und wenn Sie sich jetzt impfen lassen, die Grippe aber erst Ende März grassiert, könnte es sein, dass der Schutz nicht mehr genügt.


Schematische Darstellung des Grippevirus


31. August 2019

Es kommt selten genug vor, dass Schweizerische Fachgesellschaften in der Medizin nicht die Vorlagen der amerikanischen Kollegen übernehmen. Es grenzt fast an ein kleines Wunder, dass sich die Schweizerische Hypertoniegesellschaft nicht an die Vorgaben aus Übersee hält. Die Spezialisten gehen gar noch einen Schritt weiter und verkünden unumwunden, dass die amerikanischen Leitlinien, was die Höhe des Blutdruckes bestrifft, unbrauchbar seien. Punkt. Ein grosses Bravo den mutigen Wortführern.

Wie hoch soll denn der Blutdruck gemäss neuesten Richtlinien sein? Man gibt keine absoluten Werte mehr an, sondern eine Bandbreite. Systolische Werte zwischen 120 - 140 mm Hg sind anzustreben, diastolische zwischen 70 - 90 mm Hg. Der ideale Blutdruck läge dann bei 130/80. Dass bei älteren Menschen eher die oberen Grenzen anzustreben sind, ist ebenso klar wie die Tatsache, dass jüngere Patienten eher einen Blutdruck im unteren Grenzbereich aufweisen. Zudem wird von Anfang an eine 2-er-Kombination angestrebt; also ein Mittel verabreicht, welches zwei Wirkstoffe enthält. Welche dies sind, weiss Ihr Hausarzt.



1. August 2019

Die Medizin wird immer komplexer. Die Spezialfächer und die Subspezialitäten nehmen zu. Der praktische Allgemeinarzt mit seinem breiten Wissen ist immer weniger gefragt. Seine Tage sind gezählt.
Schade? Ja und nein. Ja, wenn Diagnostik und Therapie dadurch besser werden; nein, wenn es für eine einfache Diagnose immer mehr technische Hilfsmittel braucht. Ein kleines Beispiel: waren vor 30 oder 40 Jahren für die Diagnose einer akuten Blinddarmentzündung allein die klinischen Befunde und das Können des zuständigen Arztes entscheidend, so braucht es heute eine Sonographie, Labortests und ev. ein Computertomogramm, ehe man zur Tat - oder eben nicht - schreitet. Ob die Diagnostik durch die zunehmende Technik besser geworden ist, wage ich zu bezweifeln. Fest steht indes, dass die jungen Doctores heute nicht mehr imstande sind, einen Bauch mit ihren Händen zu untersuchen (palpieren) und zu beurteilen. Ein Verlust? Ich denke schon...

Im Übrigen traue ich mir dieses Urteil aus eigener Erfahrung als Patient zu.



8. Juli 2019

Oftmals gelingt es uns Ärzten nicht, die Ursache eines Leidens herauszufinden. Glücklicherweise kommt uns manchmal der Zufall oder ein zunächst harmloser Hinweis zuhilfe. Ich schildere hier eine
kleine Begebenheit aus meinem eigenen Leben: ich hatte im letzten Jahr eine Achillessehnenentzündung rechts, deren Ursache mir völlig unklar war. Ich dachte zunächst an das Blutdruckmittel, das ich seit längerer Zeit regelmässig einnehme. Ich liess es für einige Zeit weg - ohne positiven Effekt. Nach einem halben Jahr war die Sehne wieder in Ordnung. Das Blutdruckmittel hatte ich schon länger wieder eingenommen. Abhaken und vergessen. Nicht ganz: im Mai dieses Jahres ging die Geschichte von Neuem los. Wiederum konnte ich mir keinen Reim auf die Ursache machen. Zunächst. Ab dem 9. Mai hatte ich nach einem urologischen Eingriff Ciproxin, ein bekanntes Antibioticum aus der Gruppe der Chinolone, eingenommen. Plötzlich ging mir ein Lichtlein auf, was leider selten genug vorkommt: die Entzündung trat tatsächlich unmittelbar mit dem Beginn der Antibioticumtherapie auf... Sofort habe ich mich ans Literaturstudium gemacht. Und nun besteht kein Zweifel mehr an Ursache und Wirkung. In der Literatur sind sogar Fälle beschrieben, in welchem es wenige Stunden nach dem Schlucken der ersten Tablette eines Chinolones wie Ciproxin zur Ruptur (Riss) einer Sehne gekommen war. Betroffen waren nicht nur die Achillessehne, sondern auch solche im Schulterbereich (Rotatoren-Manschette). Sachen gibts, die gibts gar nicht.



Künftig werde ich bei meinen Praxisvertretungen Ciproxin nicht mehr verschreiben. Es gibt Alternativen.

Im Übrigen habe ich das Antibioticum sofort abgesetzt. Der Sehne geht es besser, aber noch nicht gut. Ich denke, dass die Sache nach insgesamt 3 Monaten in Ordnung sein sollte. Und die Therapie? Lokal etwas Sportgel und bei Bedarf einen Entzündungshemmer einnehmen. In meinem Fall Vimovo.

Mit Sicherheit werden die möglichen Nebenwirkungen auch von uns Ärzten unteschätzt. Und nicht selten führt nicht die Krankheit, sondern die Therapie zum Tode. Eine traurige, eine himmeltraurige Nachricht...

20. Mai 2019

Dass auch in der medizinischen Forschung nicht immer alles rund läuft, hat die angebliche Sensation um einen neuen Bluttest klar zutage gefördert. Aus der Uniklinik im deutschen Heidelberg war zu vernehmen, dass es Forschern gelungen sei, mittels eines Bluttestes ein Mammacarcinom im Frühstadium zu erkennen. Zu einem Zeitpunkt also, in welchem die bisher bekannten Untersuchungen inkl. Gewebeprobe noch versagen. Alles Schall und Rauch! Noch bevor die Weltneuheit auf den Markt geworfen werden konnte, hat die Staatsanwaltschaft eingegriffen. Der Test versagt in zweierlei Hinsicht: zum Einen erkennt er den noch jungen Krebs nicht bei allen Befallenen; zum Anderen schlägt er bei Frauen an, die gar keinen Brustkrebs haben. Ein Test zum Vergessen, um den vor allem in Deutschland ein riesiger Hype entstanden war... Si tacuisses, philosophus mansisses (für die wenigen Nicht-Lateiner: hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben...). Oder: Lügen haben kurze Beine (in der Politik nicht immer).




6. Mai 019

MASERN

Im Jahre vor meinem Staatsexamen habe ich mir in einem 4-monatigen Praktikum im damaligen Rhodesien - heute Zimbabwe - viel Können und Wissen aneignen dürfen, welche mir in meinem Berufsleben zugute gekommen sind. Das Musiso-Hospital in Zaka, von der Bethlehem Mission Schweiz gegründet und unterhalten, war damals im Umkreis von mehr als 100 km das einzige Spital mitten im Busch. Neben dem kleinen Spital gehörten auch eine Missionsschule und eine kleine Farm zum Anwesen. Noch heute kann ich mich gut erinnern, wie fast tagtäglich mehrere Säuglinge und Kleinkinder mit einer Masern-Encephailits (Hirnentzündung) zum Sterben ins Spital gebracht wurden. Therapien gab und gibt es keine. Ganz offensichtlich haben die Kinder schwarzer Hautfarbe weniger Abwehstoffe gegen das Virus, was zu einer erhöhten Sterblichkeit führt. Wer Solches erlebt hat, bringt für Impfgegner kaum Verständnis auf. Nicht zu vergessen: in den frühen 70-er Jahren war noch kein Impfstoff auf dem Markt.

PS: neulich sind in der Schweiz 2 Männern an Masern gestorben. Die Umstände kenne ich (noch) nicht...





Nach meinem Staatsexamen arbeitete ich zunächst eine Wintersaison als Assistent in einer grossen Praxis in Flims-Waldhaus. Nach diesen strengen Monaten wollte ich es wissen: ich marschierte vom Regen in die Traufe und reiste als IKRK-Arzt ins mir bisher unbekannte Bangla Desh. Was ich dort alles erleben musste und durfte, hat auf einem Schreibbogen keinen Platz. Was mir ein Leben lang bleiben wird, sind die Pockenkranken, die ich noch mit eigenen Augen gesehen hatte. Nur etwa die Hälfte der Erkrankten überlebt diese entstellende Krankheit. Und wenn man die Narben im Gesicht und an anderen Körperstellen eines Überlebenden gesehen hat, ist man geprägt und dankt dem Himmel, dass bereits zu jener Zeit ein sicherer Impfstoff gefunden worden war, welcher in den Entwicklungsländern, wo er am dringendsten benötigt worden wäre, noch nicht vorrätig war. In der Zwischenzeit sind die Pocken weltweit ausgerottet. Ein grosser Segen. Für mich als nicht mehr junger Arzt, der in seinem Leben doch einiges gesehen und erlebt hat, ist es absolut unverständlich, dass es in Anbetracht des Impfsegens Ärzte gibt, die sich als Impfgegner profilieren....




29. April 2019

IMPFUNGEN

Wenn Sie ein Impfverfechter sind und in Versuchung geraten, übrige Zeit zu vertrödeln, dann rate ich Ihnen, sich mit einem Impfgegner auf eine Diskusssion, besser gesagt - auf einen Monolog einzulassen. Nach kurzer Zeit wird Ihnen ob der eigenwilligen Argumentation des Gegners Hören und Sehen vergehen - oder aber der Schnauf ausgehen. Schon vor vielen, vielen Jahren habe ich es in der Praxis aufgegeben, mich mit einem Impfgegner zu messen. Komplet verlorene Zeit. Denn, wenn von Anfang an klar ist, dass einer der Teilnehmer keinen Millimeter von seiner vorgefassten Meinung abweicht, dann kann überhaupt kein sinnvoller Diskurs entstehen. Wirklich schade um jede Sekunde.


Masern...


Ich verzichte darauf, den Impfgegnern (IG) an den Karren zu fahren. Das führt zu nichts. Dennoch will ich ein paar kritische Bemerkungen anbringen:

- die IG behaupten, die Studien zur Wirksamkeit seien alle gefälscht. Dass allein die Daten, über die sie angeblich verfügen, korrekt seien, darf von niemandem angezweifelt werden;
- die Impfstoffhersteller hätten selbstverständlich das grösste Interesse daran, möglichst viele Impfdosen zu verkaufen. Aus dieser Überlegung heraus würden sie zur Fälschung der Studien beitragen;
- die Nebenwirkungen, die es tatsächlich gibt, seien um ein Vielfaches häufiger und wesentlich schlimmer, als es die Studien wahrhaben wollten;
- Impfungen würden dazu beitragen, das Immunsystem zu schwächen und im Extremfall zu zerstören;
- es gäbe nicht wenige Fälle von Krebs, die einer Impfung zuzuschreiben seien;
- usw, usw....es gäbe noch der Argumente viele.



Masern...

Dass es auch unter den Ärzten Impfgegner gibt - es sind nur wenige Prozent -, erstaunt nicht, ist es doch jedem freigestellt, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Ob es aber
Sinn macht, vor allem Kindern eine nachgewiesen heilsame Behandlung zu verwehren, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Und es gibt in der Zwischenzeit in verschiedenen Ländern Betriebe und Unternehmen, die von einem Stellensuchenden zwingend gewisse Impfungen verlangen. Den umgekehrten Fall, dass eine Firma nur Menschen einstellt, die nicht geimpft sind, habe ich bisher nicht erlebt.

Für mich ist das Pro und Contra auch eine Frage der Fairness: Nichtgeimpfte aus Überzeugung (der Eltern), können einen Infekt an andere Kinder und Erwachsene übertragen, die aus Versehen nicht
geimpft wurden oder aus einem Land zu uns kommen, wo kein Impfstoff zu Verfügung stand.

Im Übrigen bringt es gar nichts, wenn das Schweizer Fersehen versucht, eine ausgewogene Sendung über Sinn oder Unsinn der Impfung zu gestalten. Zum Einen weicht keiner von seiner Meinung ab;
zum Anderen müssten Befürworter und Gegner in jenem Verhältnis vertreten sein, wie sie sich in der Gesamtbevölkerung prozentual darstellen. Gegen die krasse Übermacht der Impfbefürworter hätten auch die fanatischsten Impfgegner einen sehr schweren Stand.



.... tut es weh?? (blöde Frage....)

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